Ärger im Paradies - wenn sich zwei Bengalen nicht mehr leiden können, was tun?

    Wie viel Bengalen hast du?
    2
    Wie alt sind deine Katzen?
    2
    Wie lange hast du deine Bengalen schon?
    2
    Wie viele männliche oder weibliche Tiere hast du?
    1 männlich 1 weiblich
    Sind alle Tiere kastriert?
    JA
    Sind deine Katzen vom Züchter?
    JA

    Guten Morgen,


    bei uns gibt es Ärger im Paradies... und ich weiß nicht so recht, wie ich das lösen kann. Der Hintergrund: Pika wurde gestohlen, tauchte nach ca. 4 Monaten wieder auf und es ist jetzt überhaupt nichts mehr wie vor 4 Monaten.


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    Ich erzähle:


    Vor ungefähr zwei Jahren holten wir uns Silva und Pika. Nach der Vergesellschaftung wurden sie ein Herz und eine Seele. Immer zusammen unterwegs, immer am Kuscheln. Nach der Kastration von Pika ließ auch sein Aufspringen komplett nach und alles lief gut so weit. Wir waren glücklich mit den beiden und die beiden mit sich.

    Vor ungefähr 4 Monaten wurde Pika am Gartenzaun von einer Frau mit Kindern gestohlen. Sie lockten ihn mit einem Köder durch den Kiez (Berlin Mahlsdorf Süd) und mehrere Zeugen beobachteten dieses Gespann. Irgendwo ein paar Straßen weiter verlief sich die Spur. Vor Kurzem, nach fast 4 Monaten tauchte er dort "plötzlich" wieder auf. Gut gepflegt sammelte ich ihn ein und brachte ihn zurück nach Hause.


    Silva begrüßte ihn auch sofort, aber Pika verhielt sich sehr eigenartig. Er wollte dauernd nur aufspringen, nichts anderes im Sinn als sie bespringen... sofort wenn er sie sieht rennt er auf sie zu, schnuffelt an ihr und will sie nieder drücken um sie zu besteigen. Silva wurde aggressiv dem gegenüber binnen einiger Stunden. Ich dachte das legt sich wieder. Neu vergesellschaften dachte ich, ggf wird es dann. So sperrte ich Pika in die Veranda und versuchte es langsam. Ich näherte mich ihr mit ihm an der Leine, damit ich ihn unter Kontrolle habe. Sie reagierte wieder sehr freundlich. So lange er an der Leine war, forderte sie ihn zum Spielen auf "Grashüpfer jagen", schnuffelte an ihm und setzte sich neben ihn.


    Mache ich die Leine ab: will er aufspringen und macht Jagd auf sie.


    Mittlerweile versucht sie nicht mehr freundlich zu ihm sein und hat ihn satt. Wenn sie ihn sieht faucht sie, ist wütend, hat aber in Anbetracht dessen, dass er fast doppelt so groß ist wie sie keine Chance gegen ihn. Er ist jetzt dauerhaft in der Veranda eingesperrt, dort jault er, gerade wenn Silva mal im Haus war macht er diese sehnsüchtigen Laute, wo ich weiß, so bald ich ihn raus lasse jagt er sie wieder und will aufspringen... so war er noch nie zuvor.


    Ich schreibe nun hier weil ich hilflos bin und weiß nicht, was ich tun soll. Habt ihr eine Idee? Ich verzweifle hier gerade ein wenig. Er ist ja schon kastriert.

  • Guten Morgen,

    ich bin ein fassungslos👀, dass dein Kater einfach so gestohlen wurde. Und dass er jetzt wieder bei euch ist, ist ein großes Glück!


    Ich vermute mal, dass das Verhalten von Pika auf sehr großen Stress zurückzuführen ist. Ich kann mir Vorstellen, dass die Kinder den Kater dort sehr bedrängt haben und er nun ein dominanzverhalten* gegenüber Silva zeigt, um so diesen Stress abzubauen. Für Silva ist das natürlich gar nicht gut.


    Mein Vorgehen in diesen Fall wäre auch die Vorübergehende Trennung und neue Vergesellschaftung. Pika sollte die Möglichkeit gegeben werden seine schlechten Erfahrungen abzubauen z.B. durch positives Spielen (Auslastung), gemeinsames Füttern usw. Das wird sehr viel Geduld von euch brauchen, mit der ihr es schaffen werdet, dass die beiden wieder ein harmonisches Pärchen werden.


    Liebe Grüße

    Vel


    *Ich gehe mal davon aus, dass die Kastration vollständig durchgeführt wurde

  • Hallo Silva!


    Könnte mir auch vorstellen, dass da noch ein "bisschen Kater" vorhanden ist - vlt. lässt du ihn noch mal beim TA checken?


    Ansonsten würde ich auch sagen, an der Gittertür mit Trennung trainieren, dass die beiden mit sich / mit ihrem Anblick auch gleichzeitig immer was Tolles verbinden - tolles Futter, Spiel ... wenn du die beiden dann soweit hast, dass du sie voneinander ablenken könntest mit Leckerli oder Spielzeug, sobald die Situation unharmonisch wird, könntest du ein Zusammentreffen arrangieren. Das dann eine Zeitlang immer beenden solange noch alles gut ist, beide zB. am Spielen sind ... warte nicht erst, bis er zudringlich wird. Es könnte auch helfen, wenn du ihn vor diesen Begegnungen so richtig auspowerst - körperlich und geistig durch Clickern oder so. Evtl. geht dieses zudringliche Interesse so allmählich verloren ...

    Guten Morgen ihr Lieben,


    ich habe es nun versucht so weit, aber im Moment funktioniert das (noch) nicht so richtig. Pika verhält sich insgesamt überhaupt nicht mehr wie früher. Als wäre er ein ganz anderes Tier, aber es ist Pika.


    Im Moment habe ich ihm die Veranda hergerichtet. So bald ich Pika aus der Veranda lasse flüchtete Silva nach draußen, die Spielaktionen findet sie drinnen völlig unangemessen. Dann setzt sie sich draußen auf den Stuhl von mir wo ich im Garten oft sitze und erzählt den Leuten ihren Unmut, also sie schimpft lautstark darüber, was ich für eigenartige Ideen habe, Spielen mit Pika... wer will den sowas. Sie verweigert das Futter gänzlich, als ich versuchte sie zusammen fressen zu lassen.


    Sie will nichts mehr mit ihm zu tun haben müssen im Moment. Sie hat beschlossen jetzt im Garten zu leben, auch wenn Pika aus der Veranda so nicht heraus kann wenn die Türe zu ist. Ihr ist das Risiko zu groß, dass ich wieder mit diesen "Futter- und Spielaktionen" daher komme sozusagen... sie mag das nicht tun müssen, mit ihm in einem Raum sein. Sie kommt auch nicht mehr zu mir ins Bett, sie ist richtig sauer auf mich, dass ich diese Futter- und Spielaktionen immer wieder von ihr verlangte.


    Pika war wie draußen auf der Wiese: so lange er 100% unter meiner Kontrolle ist, macht er nichts. So bald er die Gelegenheit hat, ich kurz an Aufmerksamkeit verliere hängt er an Silvas "Hintern".


    Sie irgnoriert ihn vollständig neuerdings. Ihr Interesse gilt ausschließlich dem Türgriff, so bald sie merkt, dass er sich frei im Haus bewegt. Sie kommt nur noch in der Früh um 7 kurz rein, wenn ich aufstehe, frisst und geht wieder, möglichst schnell so nach dem Motto: hör bloß auf und komme nicht auf die Idee ich wolle wieder mit Pika in einem Raum spielen müssen.


    Ich bin gerade etwas sehr ratlos weiterhin.


    Pika spielt jeden Abend 2 Stunden oder länger mit meiner Tochter (7 Jahre alt), der er eigentlich auch gehört. Das liebt er. Mit Angeln durchs Zimmer laufen, Klettern, sie bringt ihm bei sich zu verstecken in Kisten auf Kommando... aber es sind nur 2 Stunden am Tag. Da ich arbeite, alleinerziehend bin und das ganze Haus und Garten bewirtschafte finde ich auch nicht den Raum so recht da noch mehr zu machen, als das zu begleiten, dann ganz allein kann sie das mit ihm auch nicht.

  • "Besteigt" er sie denn noch? Ich hab jetzt kürzlich erst gehört, dass diese "Analkontrolle" nur Katzen untereinander machen, die sich wirklich richtig gerne mögen - insofern würde ich sagen, dass Pika vielleicht sowas denkt wie "ich war zwar monatelang nicht da, aber es hat sich doch nix zwischen uns geändert? ..." und Silva diese Nähe nicht mehr akzeptieren will, da er ihr sozusagen fremd geworden ist.


    Sich gegenseitig am Hintern schnüffeln und sich dabei auch mal besteigen (ruhig etwas rabiater mit Schreien und Fauchen) machen Dari und Nala mehrfach am Tag (wobei allerdings Dari meist "oben" ist), aber das ist trotzdem alles nur Spiel und die beiden liegen ne halbe Stunde später zusammen im Körbchen und putzen sich. Wohlgemerkt es sind Schwestern (!) - Kätzinnen können das mit dem Besteigen also auch ganz gut ;) Das hat mit Dominanz meiner Meinung nach auch gar nicht so viel zu tun, denn zB Fressen darf immer Nala als Erste ... insofern gibt es da vielleicht unterschiedliche Lebensbereiche, wo mal die eine, mal die andere "mehr zu sagen hat" ... und es ist auch einfach eine Charakterfrage.


    Ich könnte mir also vorstellen, dass Pika eigentlich nur freundliche Absichten hat, aber durch die harsche Reaktion von Silva die Stimmung zu schnell kippt.


    Mir käme in diesem Zusammenhang nun die Idee, dass du versuchen könntest, Silva den Kater im wahrsten Sinne des Wortes wieder "schmackhaft" zu machen. Auch wenn sie in seiner Nähe nicht fressen will ... gibt es ein bestimmtes Leckerli, wofür Silva alles tun würde? Wenn du das hast, dann müsstest du Pika sozusagen als lebendigen Clicker gebrauchen ;) ... immer, wenn sie ihn sieht (erst mal natürlich nur durch Gitter oder Scheiben hindurch), gibt es diese Leckerli - und nur dann. Und immer sofort, bevor sie ihn fixiert oder irgendwie sonst schlechte Stimmung aufkommen kann. Wenn sie sich auf dich konzentriert und ihn nicht beachtet, gibt es noch ein paar mehr usw.


    Diese Spieleinheiten könnten dann vlt. doch noch klappen - aber das sollte auch erst mal getrennt voneinander (Gitter) stattfinden und dann später erst in einem Raum oder im Garten, du auf der einen Seite mit einer Katze - deine Tochter auf der anderen Seite mit der anderen Katze ... nicht ein Mensch und zwei Katzen, das wird anfangs noch nicht funktionieren.

    Bestiegen hat er sie jetzt nicht mehr, da gehe ich auch vorher dazwischen. Vielleicht hast Du recht und es ist wie Du es sagst. Leider ist Silva mit Futter überhaupt nicht für irgend etwas zu begeistern so recht. Sie frisst ausschließlich Frischfleisch, Hühnchengeschnetzeltes und geht auf die Jagd. Sie ist eigentlich so gut wie eine immer Draußen Katze, nur in der Nacht mag sie eigentlich gern bei mir im Bett liegen, wenn sie nicht wie jetzt gerade beleidigt ist.


    Vielleicht haben sich die beiden zu sehr von einander entfernt in diesen vielen Monaten. Das kann sein. Sie ist immer draußen auf der Jagd gewesen und er in einer Wohnung mit Kindern eingesperrt. Als ich ihn raus gelassen hatte war er auch völlig desorientiert, er lief zum Nachbargrundstück auf den Aldiparkplatz und maunzte alle Aldi-Besucher an... Bis sie ihn dann zum Tierarzt brachten, der mich anrief, dass mein Kater Stunden maunzend auf dem Nachbarsgrundstück verbracht hatte.


    Augen, Blutwerte, Reaktionstests... körperlich ist mit ihm alles in Ordnung.


    Vermutlich ist es aber schon so wie Du es sagst: für ihn ist vermutlich als kommt er heim und nichts mehr ist wie es war. Im Winter war Silva auch viel im Haus, jetzt ist sie nur noch draußen. Früher ist sie Stunden- und Tagelang mit ihm drinnen in den Körbchen gelegen. Mittlerweile wohnt sie "auf dem Walnussbaum" und liegt dort wie ein Jaguar in der Savanne auf nem Ast.


    Beide haben sich verändert und in eine völlig andere Richtung gelebt... Ich denke nach was ich machen kann. Auf Dauer ist eine Veranda von 13 qm auf jeden Fall kein Lebensraum für einen ausgewachsenen Bengal-Kater.


    Mit Druck, z.B. beide Katzen im Haus und sie muss sich ihm aussetzen führt vermutlich in die falsche Richtung, oder? So sanft wenn ich sie beobachte zeigt ihr gesamtes Verhalten: ich mag Dich nicht mehr, ich brauche Dich nicht mehr, verschwinde wieder.

  • Was wäre denn, wenn du beide einfach überall hingehen lässt - Haus - Veranda - Garten - noch weiter ...ohne jede Schranke? Wenn beide grundsätzlich Freigänger sein sollen, müsste sich der Kater ja ohnehin über kurz oder lang an Freigang gewöhnen, höchstwahrscheinlich würde er vermutlich zunächst eher das sichere Haus bevorzugen ... Es wäre dann aber genug Platz zum Ausweichen, Silva kann ihm dann besser aus dem Weg gehen, wenn sie will. Es sollten nur keine Sackgassen im Haus vorhanden sein, in die sie sich jagen können. Dann ist der "Druck" weg - und das Verhalten der beiden wird evtl. wieder ausgeglichener ... auch wenn es vlt. nie mehr die große Freundschaft wird.

    Ok, ich versuche es. Ich lass ihn raus... ohne jede Schranke und schaue was passiert.


    Hast Du eine Idee, wie ich ihn an "draußen gewöhnen kann"? Er schien mir nicht so, als wüsste er noch, was er draußen soll. Früher war er immer in Silvas Nähe, Silvas Schatten.... sie wird ihn fortjagen, abweisen... und dann steht er wieder auf dem Aldi-Parkplatz wenn ich zur Arbeit fahre? :/

    Es kann gut sein, dass er unter all den Autos vom Aldi-Parkplatz meins gesucht hatte. Ich hatte ihn als er wieder kam ja einfach ohne Schranken, wie Früher, rumlaufen lassen. Aber dann waren die Hauptprobleme:

    • so bald er Silva sieht sie aufreiten
    • so bald Silva ihn abgewiesen hat - Desorientierung
  • Das solltest du auf jeden Fall ausprobieren, wenn ihr daheim seid ... also am Wochenende oder vlt. hat deine Tochter jetzt Sommerferien und kann etwas danach gucken? Du schriebst, sie ist sieben - ich fürchte, da ist das ja noch nicht so, dass man ihr dafür die Verantwortung geben könnte ... meine ist 12 und jetzt kann man sich wirklich auch erst drauf verlassen, dass sie mit den Katzen gut aufpasst ...


    Im Optimalfalll würde er ja nicht kopflos draußen herumirren, sondern sich ins sichere Haus zurückziehen, wenn er unsicher wird ...


    Ich hätte noch die wirklich komplett andere - etwas ausgefallenere - Idee, die beiden auf neutralen Boden zu bringen - zu Bekannten oder in eine Katzenpension, mit der das dann abgesprochen sein müsste ... auf neutralem Boden sind die Katzen meist komplett anders drauf, da es kein Revier mehr gibt und tun sich vlt. wieder freundschaftlich zusammen - es sollten nur keine anderen Katzen zugegen sein - nicht, dass sich die falschen anfreunden. Mein alter Kater, der viele Jahre einzeln gehalten wurde, hat in der Katzenpension sehr schnell "neue Freunde" gefunden - hätte niemand für möglich gehalten ;) außer die Betreiber der Pension - die meinten, sowas klappt fast immer.

    Was wäre denn, wenn du beide einfach überall hingehen lässt - Haus - Veranda - Garten - noch weiter ...ohne jede Schranke?

    Es hat funktioniert! :love:<3:!:


    Ich habe mir die Zeit genommen, ohne weg zu fahren und mit meiner Tochter den Pika raus gelassen. Und Silva hatte ihm jetzt auf einmal gestattet wieder ihr Schatten zu sein.


    Ganz plötzlich, ohne irgend eine Vorwarnung oder Anzeichen war alles wie immer. Ich bin glücklich! Heut an Tag 2 funktioniert es wieder. Als wäre er nie weg gewesen.

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