Überlegung einer zweiten Katze zu vorhandener Bengal-Prinzessin

    Wie viel Bengalen hast du?
    1
    Wie alt sind deine Katzen?
    6
    Wie lange hast du deine Bengalen schon?
    1,5 Jahre
    Wie viele männliche oder weibliche Tiere hast du?
    ein weibliches Tier
    Sind alle Tiere kastriert?
    JA
    Sind deine Katzen vom Züchter?
    NEIN

    Liebes Forum,


    ich bin noch ganz neu hier. Ich habe ein Bengal Forum aufgesucht um mich zu folgendem Thema auszutauschen:


    Unsere Lilly ist seit 1,5 Jahren bei uns und entwickelt sich hier prächtig. Sie kommt aus anscheinend sehr schlimmen Verhältnissen und ich habe sie aus einem Tierschutzverein übernommen. Sie galt vor meiner Übernahme als aggressiv, schüchtern und nicht menschenfreundlich. Die Vorbesitzer hatten wohl versucht Lilly sowohl mit einer anderen Katze als auch mit einem Hund zusammenzuführen. Dies hat beides nicht funktioniert, also musste das älteste Tier weichen.


    Lilly entwickelt sich seit dem sie bei uns ist sehr gut, sie ist sehr zutraulich und sehr verspielt. Sie macht den Eindruck als fühle sie sich pudelwohl und glücklich.


    Wir haben nun mit dem Gedanken gespielt uns eine zweite Katze zu Lilly dazuzuholen, aktuell sind wir aufgrund von Corona natürlich viel zu Hause, aber kommt es mal anders ist ein Spielfreund vielleicht nicht verkehrt.

    Meine Tierärztin hat mir davon abgeraten, da - vor allem bei erwachesene Bengalen - eine Zusammenführung wohl in den seltensten Fällen gut geht...


    Ich möchte Lilly natürlich nur etwas Gutes tun. Wir nehmen uns jeden Tag viel Zeit für sie. Aber manchmal denke ich wir können keine zweite Katze ersetzen.


    Wie seht ihr dieses Thema? Welche Erfahrungen habt ihr mit einer Zusammenführung, bei vor allem älteren Bengalen die aus vermutlich nicht bester Haltung kommen.

    Viele Grüße!

  • Hallo!


    Hättest du die Möglichkeit, in einer Katzenpension einige Tage auf neutralem Boden zu testen, ob sie grundsätzlich verträglich und interessiert ist an anderen Katzen? Das wäre ja schon mal ein Hinweis ...


    Mein alter Kater hat in einer Pension direkt Freundschaften geschlossen, was ich nach vielen Jahren Einzelhaltung niemals gedacht hätte.

  • Herzlich willkommen im Forum! 😀


    Ich habe genau die Problematik durchlebt, vor der Du jetzt stehst und erzähle Dir gerne von meinen Erfahrungen.

    2011 kamen Comerford und Charlie zu uns, 2 Prachtkaterkitten aus einer süddeutschen Zucht. Commie mußten wir 2016 schweren Herzens aufgrund eines inoperablen Magentumors einschläfern lassen. Charlie war zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre alt und der allgemeinen Philosophie folgend, dass ein Bengale immer eine Partnerkatze haben sollte, erwarben wir nach kurzer Zeit, auch um unsere Trauer zu überwinden, bei derselben Zucht unseren Kater Sammy als Kitten. Zwar schien Charlie seinen Kumpel Commie nicht allzu sehr zu vermissen, aber wir hätten gerne wieder eine Zweitkatze gehabt und eben auch als Partnerkatze für Charlie.....


    Die Vergesellschaftung des Kittens mit dem Altkater erwies sich aus 2 Gründen als schwierig. Zum einen konnte unser Charlie, der für einen Bengalen einen ungewöhnlich ruhigen und sanftmütigen Charakter hat, mit dem quirligen Jungtier nicht viel anfangen. Der Kleine war halt hibbelig, wollte ständig spielen und sich ausprobieren, während Charlie daheim eher seine Ruhe wollte. Erschwerend hinzu kam, dass der Kleine sehr schlecht sozialisiert war, da die Mutter ihn nicht akzeptiert hatte. Die Berichterstattung zu den Auswirkungen hätten mittleren Romancharakter, deshalb spare ich mir das an dieser Stelle 🤓 Manchmal denke ich, Charlie wäre tatsächlich lieber allein geblieben, es war streckenweise ein harter Kampf, auch wenn sie sich inzwischen Gottseidank ganz gut verstehen.


    Ich habe jedenfalls folgendes daraus gelernt:


    - das Dogma, dass jeder Bengale eine Partnerkatze braucht, ist nicht allgemeingültig (natürlich freuen sich auch die Züchter, wenn sie gleich 2 Kitten zusammen vermitteln) und obliegt einer Einzelfallbetrachtung. Wie bei Menschen auch, kann es vorkommen, dass eine Katze auch alleine mit seinen Menschen glücklich ist. Grundvoraussetzung dafür ist sicherlich, dass der Mensch genügend Zeit für seinen Bengalen aufwendet und sich mit dem Tier beschäftigt.

    - Wenn man ein zweites Tier zu einer Bestandskatze dazu nimmt, scheint es von Vorteil zu sein, wenn beide Katzen einen ähnlichen Charakter haben. So werden jene Zickereien vermieden, die wir zwischen dem lebhaften Sammy und dem ruhigen Charlie hatten. 2 absolute Alphakater können sich allerdings auch ziemlich bekriegen!


    - Es scheint auch sinnvoll zu sein, zu einem erwachsenen Tier ein ebenfälls erwachsenes Tier zu nehmen. Wobei es anderseits auchsein kann, dass ein Kitten vorteilhaft wäre, da es sich noch eher am schon vorhandenen erwachsenen Tier orientiert und anpaßt als ein erwachsenes Tier. Wobei in unserem Fall unser schlecht sozialisiertes Alphakitten Sammy von Anfang an versucht hat, unserem Charlie zu zeigen „wo der Hammer hängt“. Täglich 👿

    Woraufhin der sanftmütige Charlie dann mal das Alpha in sich entdeckte und den kleinen Rüpel in die Schranken wies. Täglich. 😈

    Auch hier gibt es wie immer unterschiedliche Philosophien.


    - Es scheint letztlich unerheblich ob die Katzen Freigang haben oder nicht, denn auch Freigänger treffen sich letztlich in ihrem „Kernrevier“, der Wohnung oder Haus des Dosis! immer wieder und da gehts dann zur Sache, wenn sie sich nicht verstehen.

    Wir dachten anfangs auch, dass der Kleine sich schon draussen austobt und dann drinnen halbwegs Ruhe ist. Pustekuchen. Sammy probierte sich am liebsten vor unseren Augen an Charlie aus, möglicherweise um uns zu zeigen, dass er hier jetzt „Chef“ ist. Es war für uns eine absolut enervierende Zeit und hätte um Haaresbreite dazu geführt, dass wir den Kleinen abgeben.


    - Ausprobieren ist immer gut. Insofern halte ich darinalas Vorschlag für ausgezeichnet. Gib Lilly einfach mal für ein paar Tage in eine Pension und lasse Dir die Beobachtungen des Personals schildern. Das ist sicherlich ein guter Hinweis auf die Gesellschaftsfähigkeit mit anderen Tieren. Insbesondere mit Lillys Vorgeschichte kann es sein, dass Du überrascht wirst.


    - Bedenke bitte, dass der von Euch gut gemeinte neue „Spielfreund“ aus Lillys Sicht ein Revierfeind sein kann, mit allen entnervenden Konsequenzen für den Haushaltsfrieden. Deshalb sollte das gut bedacht werden, auch für den Fall, dass eine Vergesellschaftung nicht klappt. Du mußt auch nicht zwingend einen zweiten Bengalen anschaffen, eine geeignete Tierheimkatze tuts auch. Hierbei ist von Vorteil, dass man Dir im Tierheim genau sagen kann, ob die von Dir gewählte Katze mit anderen Katznn vergesellschaftungsfähig ist und welchen Charakter sie hat.


    Viel Erfolg, berichte hier doch mal. 😀

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