Streit zwischen meinen Bengalen eskaliert

    Wie viel Bengalen hast du?
    4
    Wie alt sind deine Katzen?
    14 Wochen, 1 und 2 x 3 Jahre
    Wie lange hast du deine Bengalen schon?
    2 Wochen, 3/4 Jahr und 3 Jahre
    Wie viele männliche oder weibliche Tiere hast du?
    4 mal männlich
    Sind alle Tiere kastriert?
    NEIN
    Wenn NEIN welche Tiere nicht:
    Der jüngste (14 Wochen) ist nicht kastriert
    Sind deine Katzen vom Züchter?
    JA

    Hallo ihr Lieben,


    wir haben seit gut 3 Jahren ein männliches Bengal-Geschwisterpaar, die immer problemlos mit uns (meinem Lebensgefährten und mir) zusammenlebten. Vom Wesen her würde ich sie gutmütig und für Bengalen eher ruhig und zurückhaltend beschreiben.


    Vor einem Dreiviertel Jahr zog ein weiterer Bengalkater im Alter von 16 Wochen bei uns ein. Sein Name ist Finn. Bei Finn wurde durch den Tierarzt des Züchters eine Frühkastration durchgeführt. Eventuell ist das für eurer Bewertung der Situation von Belang. Finn ist sehr wild und erinnert mich viel mehr an eine Wildkatze, als unsere älteren.

    Wir haben die drei mit sehr viel Geduld zusammengeführt und anfangs schien alles wunderbar zu sein.


    Finn wurde größer und selbstbewusster. Ob es ein einschneidendes Erlebnis zwischen den Dreien gab, oder ob die Probleme in einem schleichenden Prozess, den wir nicht bemerkten, auftraten, kann ich euch im Nachhinein nicht mehr sagen.


    Aktuelle Situation ist so: Finn lauert den älteren zu jeder Situation auf, springt ihnen in den Nacken und verbeißt sich dort. Von den älteren kommt bis auf panisches Geschrei keine Gegenwehr :( Wir haben eine Verhaltenstherapeutin eingeschaltet, die uns geraten hat, Finn von den älteren zu trennen. So sollen wir sie kontrolliert neu und unter unserem Beisein zusammenführen.


    Sie vermutet Finn ist unterfordert und wird von den anderen beiden ausgegrenzt. Sie vermutet, dass wir durch Training lediglich Akzeptanz zwischen den Dreien entstehen kann, nie jedoch eine harmonische Beziehung.


    Aus diesem Grund durfte von einem befreundeten Züchter ein kleiner Bengalkater, Theo, bei uns einziehen. Wir erhoffen uns dadurch, dass Finn endlich einen Kumpel zum Spielen bekommt und von den Ärgereien der älteren absieht.


    Finn und Theo verstehen sich mittlerweile gut und spielen sogar schon miteinander, allerdings nur unter unserer Aufsicht. Jetzt fällt mir auf, dass Finn auch mit Theo anfängt komisch umzugehen.

    Er spielt schön mit ihm und auf einmal fängt er wütend zu atmen an, springt ihn in den Nacken und verbeißt sich dort. Gleichzeitig umklammert er ihn in der „Löffelchen-Stellung“ und tritt und kratzt ihn wie von Sinnen mit den Hinterläufen. Wir müssen dann dazwischen gehen, weil Finn ignoriert jegliche Schmerzensschreie von Theo und lässt nicht mehr von ihm ab.
    Ich vermute, dass so auch die Beziehung zwischen Finn und den älteren zu Bruch gegangen ist.


    Nun zu meiner Frage: was sagt ihr zu dem Verhalten von Finn? Ist das „normal“ für einen kastrierten Bengalen? Ist das von ihm böse gemeint? Oder hat er einfach das Spielen falsch gelernt bekommen von seiner Mutter oder Wurfgeschwistern?
    Würdet ihr über eine Abgabe von Finn nachdenken? Ich will nichts unversucht lassen, der Kleine ist uns so ans Herz gewachsen.


    Habt ihr noch Tipps was wir machen können?


    Auf dem Bild seht ihr wie Finn einen der älteren gejagt hat und wie dieser reagiert.65D11F4E-0555-4162-B7A4-FE84D4879D6B.jpeg


    Danke fürs Durchlesen meines Monstertextes und liebe Grüße aus München.

  • Oh je ich kann da leider keinen Rat geben, dazu fehlt mir die Erfahrung. Im Nacken packen, Löffelchen und treten machen meine beiden auch. Allerdings ohne Schmerzen und eher spielerisch. Auch wenn meine Hand mal aus einem Impuls gepackt wird und ich "Au" mache wird sofort von mir abgelassen. Na ja fast, ich werde erst noch abgeschleckt. Warum euer Finn auch bei Schmerzenslauten nicht aufhört kann ich nicht sagen. Kann schon sein dass er das nicht richtig gelernt hat.


    Ich frage mich allerdings warum ihr Finn damals geholt habt. Nur so aus Interesse.

  • Hallo Franziska,


    Da hab ihr wirklich eine verzwickte Situation, die euch viel Nerven abverlangt!


    Vorab ein paar Fragen im Stenogrammstil:

    • Wohnungskatzen, geschützter Freigang, Balkon...
    • Geht ihr mit Leine nach draußen.
    • Wieviel Platz habt ihr
    • wieviele Kratzbäume
    • Jagt Finn nur oder mobbt er auch, also versperrt er Laufwege, blockiert Klo und oder Futter?


    Und schon mal ein paar grundsätzliche Dinge:

    Für mich klingt das nach pubertierendem nicht ausgelasteterem Kater! Die ( Jagd-)Energie muss irgendwo,hin und so werden halt die Mitbewohner gejagt. Und da sie flüchten, verstärkt sich das Ganze zu einem Teufelskreislauf

    Trennen ist sicherlich gut für den Moment, sonst manifestiert sich der Teufelskreis.

    Nur erneute Zusammenführung ohne Ventil für die Energie von Finn wird glaube ich nichts bringen.


    Ein paar Ideen:

    Für die kurzfristige Umsetzung

    • Installiert eine „Katzenautobahn“, also ganz viele Lauf und Ausweichwege für alle Katzen, vor allem in der drittenDimension: Catwalks an den Wänden, mit denen man im Raum und von Raum zu Raum ausweichen kann, dazwischen erhöhte Beobachtungsposten, von denen aus deine ruhigeren Kater die Situation überblicken können und vorzeitig ausweichen können
    • Viele Kratzbäume in unterschiedlichenRäumen oder Ecken
    • Das würde auch für Finn die Möglichkeit geben, eigene Reviere für sich zu besetzten. Denn es könnte auch sein, dass die Aggressivität „ Revierkämpfe“ sind, das passende Alter dazu hätt er!
    • Ein Laufrad für Finn, um Energie los zu werden

    Längerfristige Ideen:

    Versucht Finn an ein Geschirr zu gewöhnen und geht mit ihm nach draußen, es gibt einige Berichte hier im Forum, wo das viel Entlastung gebracht hat


    Versucht das Selbstbewußtsein der Kater zu stärken: extrem viel Spielen, mit vielen Erfolgserlebnissen,

    Wenn es gelingt, dass sie Finn in seine Schranken weisen, gäbe es gute Chancen.


    Leider kann es auch sein, dass Finn einfach nicht kompatibel mit den ruhigen und schwächeren ist, dann wäre es für alle Beteiligten besser, ihr würdet einen neuen Platz für Finn finden.

  • Und noch ein Nachtrag:

    Analysiert mal, wann im Tagesverlauf dasJagen am stärksten ausgeprägt war, gibt es Muster?

    Vielleicht morgens, wenn ihr in den Tag startet?

    Oder wenn ihr nach Hause kommt? Oder vor dem Schlafen gehen, ...?

    Das sind Zeiten mit hohem Energielevel in eurer Tagesroutine! Das pusht auch die Katzen!

    Solltet ihr Muster -das können auch andere sein, als die aufgezählten,- feststellen, dann macht genau zu den Zeiten Spieleinheiten, die auspowern. Getrennt Finn /Kater und den Kleinen evtl solange in einem anderen Raum. Das ist zwar nervig-vor allem wenn man dafür früher aufstehen muss😬,nimmt aber erst mal Energie raus.

    Ich wünsch euch viel Erfolg und schick euch mit dem Gruß auch Kraft und Energie für EUCH!!🌞

    Oh je ich kann da leider keinen Rat geben, dazu fehlt mir die Erfahrung. Im Nacken packen, Löffelchen und treten machen meine beiden auch. Allerdings ohne Schmerzen und eher spielerisch. Auch wenn meine Hand mal aus einem Impuls gepackt wird und ich "Au" mache wird sofort von mir abgelassen. Na ja fast, ich werde erst noch abgeschleckt. Warum euer Finn auch bei Schmerzenslauten nicht aufhört kann ich nicht sagen. Kann schon sein dass er das nicht richtig gelernt hat.


    Ich frage mich allerdings warum ihr Finn damals geholt habt. Nur so aus Interesse.

    Danke trotzdem für deine Antwort.


    Das war ehrlich gesagt etwas egoistisch von uns gedacht, da wir zu den älteren (brown spotted tabby) unbedingt noch einen Silber spotted tabby wollten. Uns das ist nun der kleine Finn.


    Wir haben uns ausführlich über die Zusammenführung von Katzen informiert und haben es auch in der Vergangenheit schon erfolgreich mit den Vorgänger-Katzen geschafft. Wir dachten ehrlich gesagt nicht, dass es so problematisch wird.

    Wow Barbara, ich danke dir herzlichst für diese ausführliche Antwort!


    Zu deinen Fragen:

    - es sind Wohnungskatzen mit gesicherten Zugang zu zwei Balkonen. Die Wohnung erstreckt sich über 3 Stockwerke mit ca. 100 qm.

    - mit Leine nach draußen sind wir noch nicht gegangen, nehmen den Tipp aber gerne an und probieren es mal.

    - wir haben nur 1 Kratzbaum in der Wohnung und 1 Kratzbaum auf den gesicherten Balkon, sollten wir noch mehrere hinzufügen?
    - Finn jagt nur, er blockiert keine Toiletten und keine Futternäpfe. Die drei können sogar friedlich nebeneinander aus ihren eigenen Näpfen fressen.


    Danke für die vielen hilfreichen Tipps, die werden wir alle versuchen umzusetzen.

    Liebe Grüße!

  • Ich würde sagen du brauchst mehr Kratzbäume oder weitere Möglichkeiten, dass sich die Katzen unbehelligt voneinander bewegen oder ausruhen können. Und zwar so, dass sie sich nicht in die Enge treiben können, sondern auch ganz oben auf den Kratzbäumen mittels z.B. Catwalks an der Wand oder unter der Decke immer weiter kommen und im Zweifel flüchten können. Außerdem ist es dann auch eher denkbar, dass der bedrängte "Oben-Sitzende" selbstbewusster wird und sich auch einmal wehrt und dann nicht mehr so einfach als Beute betrachtet wird.


    Hast du die Möglichkeit, TLC zu schauen? - da kommen immer Folgen des Katzenflüsterers Jackson Galaxy ... da geht es sehr häufig um derartige Streitereien und da könntest du bestimmt vieles wieder erkennen und einige Tipps probieren (kommen aber dem, was Barbara bereits schrieb - glaube ich -schon sehr nahe bzw. passen super dazu). Die Bücher von ihm kann ich auch empfehlen ...


    In einer Folge z.B. geht es um zwei Savannahs zusammen mit 2 Birmas oder so ... da meinten die Menschen im Haushalt erst, dass der Stress von den Birmas ausgeht, war aber letztendlich gar nicht so, denn die fühlten sich einfach nur unsicher und sind direkt in die Verteidigung gegangen, was ich aber eigentlich sagen will, ist, dass die ein Wahnsinns-schickes-Katzenparadies gebaut haben und dann war Friede :)

  • Der hier passt mehr zum Problem. Es geht hier eher darum Katzen die sich nicht mehr besonders mögen noch einmal Zusammen zu führen. Wie am Anfang.


    Meine Beiden sind momentan auch nicht so dicke miteinander. Loki sieht Koda momenan eher als Beute anstatt Partnerkatze. Er versucht Koda bei jeder Gelegenheit niederzuringen und in den Nacken zu beißen. Obwohl eigentlich Koda der Stärkere ist. Wenn er sich wehrt nimmt Loki nach kurzer Zeit Reißaus. Leider ist Koda meistens ein kleiner Feigling und zieht es eher vor sich jammernd in Sicherheit zu bringen.


    Momentan ist hier nichts mit gegenseitigem sauber machen oder zusammengekuschelt zu pennen . Manchmal versucht Koda Loki sauber zu machen oder sich zu ihm zu legen, der legt sich dann aber woanders hin. Aber richtig böse mit fauchen und angelegten Ohren werden sie nicht.

  • Hallo Franziska,


    Danke für die offenen Infos von euch!


    Wenn sie friedlich nebeneinander fressen, dann müsst ihr keine neue Zusammenführung starten.

    Dann ist das Verhalten von Finn „nur“ das Flegelverhalten eines halbstarken Katers, der nicht weiß, wohin mit seiner Energie. Und die Älteren sind mittlerweile total genervt. Wenn richtig Krieg wäre, dann würde schon gefaucht und geknurrt, wenn sie sich von weitem sehen.


    Dennoch solltet ihr unbedingt vermeiden, dass es in der angespannten Situation nicht doch eskaliert und zu einem ernsthaftem Kampf kommt. Dann stünden die Chancen schlecht.


    Bitte erlaubt mir noch eine Anmerkung:

    100 qm klingt auf den ersten Blick viel! Aber für 4 Bengalen-Kater mit viel Energie ist das nicht üppig.

    Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, die dritte Dimension für eure Katzen nutzbar zu machen, um genügend Raum und Revier zu schaffen.


    Ich habe ein Geschwisterpaar, 2 Jahre. Wir leben im Reihenhaus (3 Etagen, 130 qm).

    Rocky ist auch ein Energiebündel und ziemlich rabiat im Umgang mit seiner Schwester. Beide sind Freigänger, aber dennoch wäre bei uns ständig Stress, wenn die Kleine nicht in jedem Stockwerk ihre erhöhten Rückzugsorte hätte, die auch gut zu verteidigen sind.

  • Da muss ich Barbara zustimmen mit dem Platz - wir haben 2 Schwestern auf ca. 220 qm (2 Etagen und Balkone, aber keine Laufstege, da wirklich alles Dachschrägen sind) ... außerdem 5 rel. große Kratzbäume, Laufrad etc. ... ok - man merkt oft gar nicht, dass man überhaupt Katzen hat, da die irgendwo in der Wohnung unterwegs sind und sich auch extrem gut selbst und miteinander beschäftigen - und wir hatten auch schon ganz kurz mal mit dem Gedanken gespielt "aufzustocken", aber das waren auch eher Spinnereien - letztendlich wäre es ja blöd, diese Harmonie auf's Spiel zu setzen. Die beiden werden nun 1 Jahr alt und Stress zwischen denen könnte ja immer mal entstehen - auch wenn man es sich jetzt absolut nicht vorstellen kann ...


    Nach allem was ich hier so im Forum gelesen habe, glaube ich aber auch, es ist ein ganz schöner Unterschied ob Bengalkätzin oder -kater bzgl. des Energielevels ... und allein schon die körperliche Größe eines Katers erfordert ja ganz andere Raumdimensionen ;)

    Vielen lieben Dank euch allen für die hilfreichen Tipps! Da besteht ja noch einiges an Handlungsbedarf von unserer Seite und es ist noch nicht alles verloren - das macht Hoffnung!


    Ich versuche so schnell wie möglich alles umzusetzen und werde hoffentlich Positives berichten können.


    P.S. Laufrad und Bretter und Klettermöglichkeiten für einen Catwalk sind schon bestellt ✔️

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