Bengalkatzen in einer Stadtwohnung?

    Hallo Leute,

    Wir (3, meine Eltern und ich, 15J) wünschen uns schon länger eine Katze. Leider kam bisher irgendwie keine Diskussion zustande, da mein Vater der Meinung ist, Katzen gehören in keine Stadtwohnung. Obwohl ich dem natürlich in gewisser Weise zustimme, habe ich mir gedacht, ich könnte mal nach einer wohnungs„tauglichen“ Katze suchen und bin auf die Bengalen gestoßen. Wirklich wunderschöne Tiere!
    Jetzt die Frage (Ich bitte um möglichst tierliebe Antworten, da ich keine Katze quälen will!!!):

    Sind die Bengalen für eine Wohnung in der Großstadt Berlin 200qm, 4 Balkone geeignet? Wir wohnen über zwei Etagen und könnten den Tieren Kratzmöglichkeiten, Abwechslung, Spiele und Action (+ Freigang auf Balkon oder im Park mit Leine -> ohne Zwang/Quälerei) bieten.

    Danke im Vorraus
    Chris

  • Hallo Chris,


    meine 2 Racker kommen erst im Juni, deshalb kann ich dir noch nichts aus erster Hand berichten. Aber meine Kater werden auch ohne Freigang leben, mit gesicherter Terrasse und einer grossen Wohung.

    Was du dir aber bewusst sein muss, Bengalen sind nicht nur super schön anzusehen, sondern sie brauchen auch (zumindest was man so im Netz liest) tendenziell mehr Beschäftigung als andere Rassen. Wenn du bereit bist jeden Tag genug Zeit zum spielen zu investieren und deine Eltern einverstanden sind, dass ihr die Wohnung katzengerecht einrichtet, spricht im Prinzip nichts dagegen. Aber bitte immer mind. 2 Katzen halten!


    Welche anderen Rassen hast du dir denn schon angeschaut? Vielleicht wäre ja eine weniger aktive Rasse etwas für euch. Wie stellst du dir das Zusammenleben und den Tagesablauf mit Bengalkatzen denn vor? Dann können die Foris hier bestimmt sagen ob deine Vorstellungen realistisch sind oder eben auch nicht.


    LG Steffi

    Da ich Tiere (vor allem kluge, aktive Tiere) wirklich liebe und schon immer von ihnen fasziniert war, glaube ich, dass eine sehr aktive Katze für uns das wahrscheinlich Beste wäre 😁👍
    Tagsüber müssten sie von ca. 8:00h bis maximal 15:00h alleine sein, das heißt also ungefähr 7 Stunden. Da aber bereits einige Andere in diesem Forum von ähnlichen Zuständen berichtet haben, habe ich in dieser Hinsicht meine Sorge ein Stück weit abgelegt.
    Wir haben bereits einen Plan, wie wir aus zwei Etagen noch ein paar mehr katzengerechte Etagen machen☺️ Wir haben auch mehrere Schränke (3-4), die wir als Etagen nutzen können. Wir planen auch 4 (+/- 1) Kratzbäume zu installieren. Da ich in der Schule häufig eher gelangweilt bin😂, wären zwei aktive Katzen, die zuhause auf mich „warten“ ein Lichtblick an jedem Tag👍. Ein gesicherter Balkon (Netz) wäre dann wahrscheinlich auch ohne Aufsicht für sie da. Zwei Katzen, bestenfalls Geschwister, wäre natürlich eine Voraussetzung. Wie oben gesagt wäre es möglich auch in einem nahen Park mit Leine „spazieren“ zu gehen. Natürlich mit viel Geduld und ohne Zwang.

  • Ehrlich gesagt, denke ich nicht, dass Bengalen wirklich glücklich in reiner Wohnungshaltung sind.

    Regelmäßiges Gassi gehen ist aus meiner Sicht Pflicht. (Oder eben gesicherter großer Garten, wenn vorhanden. Ich bin kein Fan von Freigang...zu gefährlich.)

    Wer einmal eine Katze draußen in Natur gesehen hat, sieht einfach wie sie aufblühen & glücklich sind. Das kann man mit nichts ersetzen. Nicht mit einer großen Wohnung, vielen Kratzbäumen, viel spielen oder Katzenkumpels etc (all das ist zwar wichtig...aber ersetzt Rausgehen trotzdem nicht.)


    Wegen Gassi im Park: Ich würde davon abraten. Das Risiko, dass das in die Hose geht, ist sehr hoch. Die fremden Leute, Fahrradfahrer, Jogger, laute Kinder, Hunde, die vielen Geräusche & Gerüche (von Hunden, die ja überall hinpinkeln) etc....dass kann alles einer Katze total Panik machen & du hast da einfach nicht die nötige Ruhe.

    Gehe lieber in den Wald, auf schmalen Wegen wo kaum bis gar keiner rumläuft.

  • Hallo Chris,

    toll, dass Du Dir so viele Gedanken machst, bevor Du Dein Leben mit Katzen teilen willst.

    Ich möchte für Dir für Deine Überlegungen noch einen ganz anderen Aspekt mitgeben:

    Du hast recht, Bengalen sind sehr lebhaft, brauchen sehr viel Aufmerksamkeit und Auslastung - und fordern das auch ein. Ganz unabhängig von der Größe der Wohnung. Bekommen sie das nicht, können sie schnell zu „Problemkatzen“ werden. Und das bleibt auch so für die nächsten 12-15 Jahre.


    Du sagst, dass die lebhaften Katzen nach langweiliger Schule für Dich ein Lichtblick wären.

    Das kann ich gut verstehen😉

    Aber: Wie lange wirst Du noch zuhause wohnen? Bleiben die Katzen dann bei deinen Eltern? Und wollen deine Eltern dann auch noch viele Jahre so lebhafte Katzen? Das gemeinsam zu klären, ist aus meiner Sicht wirklich wichtig.


  • Hallo Chris!


    Die Konstellation bei euch ist ziemlich gleich zu unserer ... Wir wohnen in der Stadt, unsere Wohnung könnte deiner Beschreibung nach auch eure sein- echt witzig! Unsere Tochter (12) wollte unbedingt ein Haustier, mit dem man auch was anstellen kann ... da wir früher Katzen hatten, war ziemlich schnell klar, dass es wieder Katzen sein sollen - auf die Rasse sind wir eher zufällig (erst mal durch die Optik) gekommen. Der Charakter ist aber einfach toll - und von der Aktivität her würde ich sagen, dass denen auch sehr lebhafte andere Rassen oder Charaktere in nichts nachstehen. Nur die Raufereien sind vlt. etwas wilder ;) Vom Spielen her muss man sich ständig was neues einfallen lassen - die Angel, die heute noch toll war, ist morgen schon öde usw.


    Erst mal wäre wichtig, dass ihr euch klar macht, dass es nicht deine Katzen sind, sondern eure - und da müssen alle Familienmitglieder dahinter stehen - dann klappt es auch, wenn du mal nicht so Lust hast, die Klos sauberzumachen etc. ;) oder falls du mal ausziehst oder keine Zeit zum Spielen hast usw.


    Das Alleinsein ist für so eine Zeitspanne nicht schlimm, wenn du zwei (Geschwister-)Katzen hast, die sich gut verstehen, die bekommen die Zeit gut rum und richten sich dann auch - nach und nach - nach eurem Rhythmus - also wenn nix los ist, wird tendenziell eher geschlafen ... (die Zeiten waren bei uns vor Corona genau wie bei euch auch)


    Das mit dem Rausgehen ist halt Ansichtssache - ich habe damals mit mehreren Züchtern gesprochen und die sagten mir (was meine Meinung darin auch bestätigte), dass es nicht schlimm ist, wenn sie nicht rauskommen, solange sie nichts anderes kennen. Wenn man sich dazu entscheidet, mit ihnen rauszugehen, dann muss man es regelmäßig machen - sonst verstehen sie nicht, warum es mal nicht klappt und das macht unzufrieden. Was man nicht kennt, kann man nicht vermissen ... Alle Züchter mit denen ich gesprochen hatte, machten es übrigens auch so, dass die Kitten nicht rauskamen, damit sie sowas auch gar nicht erst kennen lernten.


    Unsere kommen also nicht raus - wir haben einen unserer Balkone zum Katzenbalkon umgewandelt (jetzt mit doppeltem lockeren Netz ;) - s. entsprechender Thread) - da können sie frische Luft bekommen und horchen und gucken - ansonsten viele Kratzbäume vor Fenstern zum Gucken. Dann haben sie ein eigenes Katzenzimmer - auch für nachts zum Schlafen, das kennen sie auch von Anfang an nicht anders und gehen da auch tagsüber gerne zum Ruhen hin. Sie haben ein Laufrad und - ich hab grob gemessen - fast 30 m Rennstrecke über Wohn-, Esszimmer und Flur, die sie auch gerne ausnutzen. Das dürfte bei eurer Wohnung ja ähnlich sein - auch Treppe rauf und runter jagen ginge bei euch ja wahrscheinlich. Das alles alles lastet unsere beiden zumindest gut aus. Die sind lieb, entspannt und ausgeglichen.

    Der Züchter bei dem wir letztendlich gekauft haben, meinte auch er habe einige "Quatschmacher"- und einige eher "Brave"-Zuchtlinien. Wir haben zwei Mädels der "Braven" - das macht also wohl auch was aus.

    Wir wollten Katzen, da die von der Körpergröße die Wohnung nicht so "ausfüllen" und evtl. auch etwas ruhiger sind und nicht so hoch springen wie Kater. Aber wären beim Züchter als erstes die Kater zu uns gekommen, wäre uns das vermutlich völlig egal gewesen. Aber es kamen tatsächlich zuerst die Katzen - die beiden haben sich auf jeden Fall uns ausgesucht :love:


    Also abschließend gesagt, ich meine, wenn man bereit ist, ein bisschen "umzubauen" und in gute Katzenmöbel und ein Laufrad zu investieren und natürlich in Zeit, dann können Bengalkatzen auch in einer Stadtwohnung glücklich sein. Wir haben uns für Katzen entschieden, da die von der Körpergröße die Wohnung halt nicht so "ausfüllen" und evtl. auch etwas ruhiger sind und nicht so hoch springen wie Kater.

  • darinala: Ich will eigentlich keine Diskussion starten, aber die Aussage "Was man nicht kennt, kann man nicht vermissen"...das kann ich nicht so stehen lassen. Es liegt in der Natur von Katzen draußen zu sein. Egal welche Rasse. Und wenn man eine Wohnungskatze rauslässt, sieht man sofort, was sie ihr ganzes Leben vermisst hat. Wer es selbst mal gesehen hat, wird keine Zweifel darüber haben.

    Man kann ja auch nicht einfach einen Hund nur drinnen halten & sagen: "Er kennt das Rausgehen nicht, somit vermisst er es auch nicht." Da würde jeder sofort mit dem Kopf schütteln, auch wenn es ein absoluter Mini-Hund ist, der gar kleiner ist als eine Katze.

    Und dass Züchter sagen, es wäre ok Bengalen nur drinnen zu halten...natürlich sagen sie es. Ihre extrem wertvollen Zuchtkatzen sind ja auch nicht im Freigang (so wie bei allen Züchtern). Da können sie nicht anderen sagen, dass reine Wohnungshaltung nicht ok ist, wenn sie es selbst machen.

    Aber gute Bengalenzüchter haben in der Regel wenigstens große Gehege oder ausbruchssichere Gärten für ihre Bengalen.

    Und man muss auch bedenken, dass Züchter ihre Kätzchen ja auch verkaufen wollen. Wieviele Leute sind bereit solch super-teuren & auffälligen Rassekatzen einfach in Freigang zu lassen? Ich denke die meisten sind nicht bereit das zu machen. Und wenige haben die Möglichkeit andere Optionen wie großes Gehege oder gesicherter Garten bereitzustellen. Und noch viel weniger Leute haben Erfahrung mit dem Gassi von Katzen oder wissen überhaupt, dass das geht oder wie das geht.

    Schlichtweg könnten die unzähligen Bengalzüchter ihre Kätzchen nicht "loswerden", wenn sie Freigang/Gehege/Garten/Gassi als Voraussetzung nennen.

    Und das "Einsperren" von Katzen wird ja in der Gesellschaft großteilig akzeptiert...besonders unter Rassekatzenhaltern, die eben ihre Katzen, für die sie teuer Geld ausgegeben haben, nicht einfach so wie Freiwild rumlaufen lassen wollen. Bei Besitzern mit normalen Hauskatzen wird man da eher mit großen Protest begegnet.

    Jeder kann klar machen wie er will. Aber nur weil Züchter es sagen, ein Teil von Katzenbesitzer & es sowieso "erlaubt" ist...heißt es nicht, dass eine tolle Haltungsart ist & dass die Katzen damit wirklich zufrieden sind.

    Ich war auch mal Halter von reinen Wohnungskatzen...hab mir auch viele "Argumente" einfallen lassen, warum es so besser ist & auch soviele doch sagen, dass ihre Wohnungskatzen glücklich sind. Aber wenn man mal ehrlich ist, weiß man ganz genau, dass das keine tolle Haltungsart ist. Deswegen habe ich meine Haltungsart geändert...meine Katzen sind zu Gassi-Katzen geworden.

  • Ich glaube, das sind halt solche Grundsatzansichten, da kann man tatsächlich ewig diskutieren.

    Ich persönlich glaube, es ist zumindest für ein Tier nicht möglich, etwas zu vermissen, dass es nie kennengelernt hat. Es ist ja schon für einen Menschen fraglich. Angenommen, man war niemals am Meer im Urlaub - nun geht es aufgrund irgendeines Ereignisses nie wieder (und das ist im Moment gar nicht mal so realitätsfern) - man kann sich zwar irgendwie versuchen vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn man z.B. Bilder sieht, aber wirklich nachempfinden kann man es nicht. Und diese Möglichkeit, eine Vorstellung von etwas zu haben, ist bei Tieren ja noch nicht einmal gegeben. Klar, wenn sie auch nur einmal kurz erfahren haben, wie es draußen so ist, dann ist das natürlich etwas ganz anderes.


    Wenn angeborene Verhaltensweisen bzw. Instinkte der Katzen nicht ausgelebt werden können, so muss man diese (innerhalb der Wohnung) kompensieren, damit keine Störungen oder Auffälligkeiten entstehen. Ähnlich wie bei Zootieren.


    Ungesicherten Freigang sehe ich sehr kritisch, auch wenn man recht verkehrsberuhigt wohnt. Denn die nicht in unser heimisches Ökosystem gehörende Katze greift in dieses sehr stark ein - durch Jagd auf Singvögel, Eidechsen oder seltene Nager - sie weiß ja nicht, was ein Schädling ist. Der gesicherte Freigang in einem Garten ist natürlich für die Katze prima, allerdings nicht unbedingt für die Vögel.


    Das Gassigehen finde ich eigentlich gut, aber davon abgesehen, dass ich es nicht konsequent regelmäßig leisten könnte, habe ich auch große Angst vor Hundebegegnungen. Gerade gestern noch, als wir (ohne Katzen) in einem ansonsten ziemlich einsamen Waldstück unterwegs waren, kam wie aus dem Nichts eine Art Schäferhund angehetzt und hat meine 12-jährige Tochter angesprungen und fast umgeworfen, dann hat er uns zusammen getrieben wie einen Haufen Schafe - hinterher kam ein verzweifeltes Herrchen. Der hat sich zwar 'zig mal entschuldigt, aber das hätte jetzt auch nicht viel genützt, wenn sein Hund vorher schon ein paar Katzen totgebissen hätte. So schnell hätte man definitiv nicht reagieren können, um die noch irgendwie in Sicherheit zu bringen. Davon abgesehen, dass gerade Setzzeit ist und der Hund sowieso nicht unangeleint hätte herumlaufen dürfen, ist uns sowas in der Art schon des öfteren bei Spaziergängen und zu allen möglichen Jahreszeiten passiert ...

  • Klar, Freilauf in eine Blumenwiese am Waldrand ist schön. Freilauf in Düsseldorf Bilk wo alle 3 min eine Straßenbahn vorbeidonnert ist was anderes. Ich würde meinen Katzen maximal 1 Jahr geben bevor sie überfahren werden. Wenn ich versuchen würde meinen Beiden eine Leine anzulegen würden sie mich töten. ;-) . Wobei ich auch überlege, wie artgerecht eine Leine ist.


    Generell kann man Katzen auch artgerecht innerhalb einer Wohnung oder eines Hauses halten, wenn dieses katzengerecht gestaltet ist. Vor allem mit einem katzengesicherten Balkon.


    Im Sommer z.B. ist bei uns abends immer Jagdzeit. Dann wird die Schwarzlichtlampe auf dem Balkon angemacht um die Nachtfalter anzulocken. Koda und Loki lauern schon gespannt vor der Dämmerung an den Balkontüren. Wir besuchen regelmäßig die Nachbarn (mit Terasse), gehen zusammen in den Keller Wäsche waschen ....


    Darüber Hinaus habe ich mir letzens mein Bewegungsprofil vom letzen Jahr bei Google angeschaut (1 Punkt für jede Lokalisierung) . Da sind 2 große Flecken. Mein Zu Hause und mein Arbeitsplatz. Da glaube ich dass meine Katzen artgerechter leben. :-)


    Gruß

    Ralph